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September 2023
September 2023
BAG – geschützte Sphäre in privaten Chatgruppen?
Autor: Dr. Christian Bloth
Das Bundesarbeitsgericht („BAG“) hat in einem in den Medien viel beachteten Urteil entschieden, dass beleidigende und menschenverachtende Äußerungen über Vorgesetzte und Kollegen auch in einer privaten Chatgruppe die außerordentliche fristlose Kündigung eines Mitarbeiters rechtfertigen können.
Außerordentliche Kündigung – Äußerungen in Videobotschaft
Autor: Jonas Anders
Das Landesarbeitsgericht Sachsen (LAG) hat in einem Urteil vom 17. März 2023 (Az. 4 Sa 78/22) entschieden, dass kritische Berichterstattung in sozialen Medien Betriebsratsmitgliedern durchaus gestattet sein kann und so keinen Kündigungsgrund darstellt.
Außerordentliche Kündigung – Grenze zur Schmähkritik
Autor: Robin Klein
In einem Urteil vom 16. August 2022 hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg Vorpommern (Az. 2 Sa 54/22) entschieden, dass schwerwiegende Vorwürfe des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber bzw. der Betriebsleitung, die auf keinerlei Tatsachen gestützt werden können, eine Ehrverletzung darstellt, die eine außerordentliche Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen kann.
Erschütterung des Beweiswerts von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen I
Autor: Ann-Sophie Herweg
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg Vorpommern hat in einem Urteil vom 21. März 2023 (Az. 2 Sa 156/22) entschieden, dass der Arbeitgeber den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dadurch erschüttern kann, dass er objektiv greifbare, belastbare Tatsachen darlegt und im Bestreitensfall beweist, die ernsthafte Zweifel an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) stützen können. Dabei sind objektiv mehrdeutige, plausibel erklärbare Sachverhalte grundsätzlich nicht geeignet, solche ernsthaften Zweifel zu begründen.
Erschütterung des Beweiswerts von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen II
Autor: Ann-Sophie Herweg
In einem Urteil vom 2. Mai 2023 hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig Holstein (AZ 2 Sa 203/22) entschieden, dass der Text eines Kündigungsschreibens einer Eigenkündigung mit einer bereits kurz zuvor eingereichten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung der Arbeitnehmerin sowie die Würdigung der Gesamtumstände, den Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) erschüttern können.
Kündigung eines Betriebsratsmitglieds im Rahmen von Matrixstrukturen
Autor: Dr. Christian Bloth
Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen (LAG) hat in seinem Urteil vom 24. Juli 2023 (15 Sa 906/22) entschieden, dass es für die Annahme einer „Betriebsabteilung“ des Vertragsarbeitgebers bei der Beschäftigung in einer Matrix-Struktur nicht bereits ausreicht, dass nur eine einzelne Arbeitnehmerin aus einer betriebsübergreifenden Organisationseinheit im Betrieb des Vertragsarbeitgebers beschäftigt ist.
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Juni 2023
Juni 2023
Pflicht zur Arbeitszeiterfassung – Update Referentenentwurf
Autor: Dr. Christian Bloth
Mit Beschluss vom 13. September 2022 hat das Bundesarbeitsgericht („BAG“) die Feststellung getroffen, die gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers, ein System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen, welches Beginn, Ende und die Dauer der geleisteten täglichen Arbeitszeit von Arbeitnehmern erfasst, bestehe bereits heute.
Kündigung – Verstoß im Rahmen der Arbeitszeiterfassung
Autor: Jonas Anders
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) urteilte im September vergangenen Jahres, dass Arbeitgeber schon jetzt verpflichtet sind, Arbeitnehmern ein System zur allgemeinen Zeiterfassung ihrer Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern (LAG) hatte nun kürzlich darüber zu entscheiden (Urteil vom 28.3.2023 – 5 Sa 128/22), ob die durch den Arbeitnehmer vorgenommene fehlerhafte Arbeitszeiterfassung eine ordentliche Kündigung rechtfertigt.
Funktionsverlagerung im Konzern – betriebsbedingte Kündigung?
Autor: Sebastian Mewes
In seiner Entscheidung vom 28. Februar 2023 (Az. 2 AZR 227/22) hatte sich das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit einer betriebsbedingten Kündigung zu beschäftigten und der Frage, ob die Fremdvergabe von Arbeiten an eine konzernangehörige Drittgesellschaft eine solche Kündigung sozial rechtfertigt.
Annahmeverzugslohn nur bei Auskunft über Bewerbungsbemühungen
Autor: Jonas Anders
Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (LAG) hat in einem Urteil vom 30. September 2022 (Az. 6 Sa 280/22) entschieden, dass sich der Arbeitnehmer auf seine Annahmeverzugsvergütung „böswillig unterlassene Verdienste“ anrechnen lassen muss, wenn er nicht vollständig Auskunft über die ihm zugeleiteten Vermittlungsvorschläge der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters erteilt.
Annahmeverzugslohn bei fristloser Kündigung
Autor: Dr. Christian Bloth
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einem Urteil vom 29. März 2023 (Az. 5 AZR 255/22) entschieden, dass dem Arbeitnehmer ein Anspruch auf eine Annahmeverzugsvergütung zusteht, wenn der Arbeitgeber in widersprüchlicher Weise eine fristlose Änderungskündigung ausspricht und dem Arbeitnehmer gleichzeitig ein Weiterbeschäftigungsangebot zu unveränderten Bedingungen während des Kündigungsschutzprozesses anbietet.
„Flinke Frauenhände“ – Diskriminierung bei Jobausschreibung
Autor: Sebastian Mewes
Hat ein männlicher Bewerber, dem eine Stelle mit der Begründung abgesagt wurde, die Tätigkeit sei "eher etwas für flinke Frauenhände", einen Anspruch auf Entschädigung aus dem Gesichtspunkt der Diskriminierung? Mit dieser Frage hatte sich das Landesarbeitsgericht Nürnberg (LAG) in einer Entscheidung (Urteil vom 13. Dezember 2022, Az. 7 Sa 168/22) zu beschäftigen.
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März 2023
März 2023
BAG: Entgeltgleichheit von Männern und Frauen – unabhängig von
Verhandlungsgeschick
Autor: Dr. Christian Bloth
Das Bundesarbeitsgericht („BAG“) hat in einem in den Medien viel beachteten Urteil entschieden, dass einer weiblichen Arbeitnehmerin derselbe Lohn zu zahlen ist wie einem männlichen Kollegen, wenn der Arbeitgeber nicht widerlegen kann, dass die unterschiedliche Bezahlung bei gleichwertiger Beschäftigung auf rein objektiven Kriterien beruht. Dabei konnte hier auch der Vermutung einer geschlechtsspezifischen Benachteiligung nicht entgegenhalten werden, der Kollege habe besser verhandelt.
BAG: Verschieden hohe Zuschläge bei (un-)regelmäßiger Nachtarbeit
Autor: Jonas Anders
Tarifvertragliche Regelungen, welche verschieden hohe Zuschläge für regelmäßige und unregelmäßige Nachtarbeit festlegen, verstoßen nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz aus Art. 3 Abs. 1 GG. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht („BAG“).
BAG: Darlegungs- und Beweislast beim Berufen auf den Gleichbehandlungsgrundsatz
Autor: Laura Fischler
Das Bundesarbeitsgericht („BAG“) hatte sich mit der Frage zur Darlegungs- und Beweislast im Rahmen eines Anspruchs aus dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz zu beschäftigen. Es ging hier darum, dass der Arbeitnehmer vermutete, mit ihm vergleichbare Arbeitnehmer seien aus nicht sachlich gerechtfertigten Gründen in ihrer Vergütung besser als er gestellt worden.
Abstimmung über EU-Richtlinie zur Entgeltgleichheit und Lohntransparenz
Autor: Laura Fischler
Das Bundesarbeitsgericht hat am 16. Februar 2023 ein richtungsweisendes Urteil zum Thema Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gefällt, siehe dazu Besprechung in diesem Newsletter. In diesem Bereich sind Lohntransparenz und Entgeltgleichheit nun auch Gegenstand einer neuen Richtlinie der Europäischen Union („EU“). Das Europäische Parlament soll diese Richtlinie am 30. März 2023 verabschieden.
Kündigung unwirksam wegen fehlenden Hinweises auf Drei-Wochenfrist?
Autor: Dr. Christian Bloth
Das Landesarbeitsgericht Hamm („LAG“) hatte sich mit der Frage der Formwirksamkeit einer Kündigung zu beschäftigen. Dabei galt es zu klären, welche Auswirkung die Arbeitsbedingungen-Richtlinie der Europäischen Union (2019/1152/EU) auf die Auslegung nationalen Rechts hat. Gerügt wurde hier, dass das Kündigungsschreiben keinen Hinweis auf die dreiwöchige Klagefrist enthielt.
Fehler bei (Probezeit-) Kündigungen
Autor: Jonas Anders
Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern („LAG“) hatte zuletzt über eine Probezeitkündigung zu befinden, deren rechtliche Wirksamkeit durch die betroffene Mitarbeiterin in mehrerer Hinsicht angegriffen wurde, insbesondere wegen einer ihrer Ansicht nach unvollständigen Anhörung des Personalrats. Kommt es darauf in der Probezeit an?
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Dezember 2022
Dezember 2022
BAG zur Arbeitszeiterfassung – Entscheidungsgründe veröffentlicht
Autor: Dr. Christian Bloth
Die lang erwartete Begründung der BAG-Entscheidung zur Arbeitszeiterfassung (Beschl. v. 13. September 2022, 1 ABR 22/21) ist veröffentlicht worden. Dies bringt etwas Licht ins Dunkle, was die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung in der Praxis für Arbeitgeber bedeuten kann. Das BAG gibt dem Gesetzgeber zugleich den Auftrag, für eindeutige Regelungen hinsichtlich der Arbeitszeiterfassung zu sorgen.
Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Autor: Jonas Anders
Der Start der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („e-AU“) für Arbeitgeber rückt näher. Ab Januar 2023 ersetzt ein elektronisches Verfahren – bis auf wenige Ausnahmen – den in Papierform an den Arbeitgeber übermittelten „gelben Schein“. Wir geben Ihnen einen Überblick, welche Veränderungen in Recht und Praxis damit einhergehen:
Versetzung ins Ausland
Autor: Rafael Hertz
Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 30. November 2022 (Az. 5 AZR 336/21) entschieden, dass Arbeitnehmer aufgrund des arbeitsvertraglichen Direktionsrechts ins Ausland versetzen können, wenn nicht im Arbeitsvertrag oder den Umständen nach etwas anderes vereinbart worden ist. In dem Fall eines Ryan-Air-Piloten, den die Fluglinie nach Schließung ihres Nürnberger Standorts nach Italien versetzt hatte, was für diesen auch einen erheblichen Einkommensverlust zur Folge hatte, machten die Richter deutlich, dass das Weisungsrecht des Arbeitgebers aus § 106 GewO insoweit nicht auf das Territorium der Bundesrepublik Deutschland begrenzt ist. Die Ausübung des Weisungsrechts im Einzelfall unterliegt nach dieser Bestimmung allerdings einer Billigkeitskontrolle.
BAG: Annahmeverzug des Arbeitgebers nach Vorlage eines negativen PCR-Tests
Autor: Dr. Christian Bloth
Der Arbeitgeber schuldet grundsätzlich Vergütung wegen Annahmeverzugs, wenn er einem Arbeitnehmer ein 14-tägiges Betretungsverbot des Betriebsgeländes erteilt, da dieser aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist, obwohl der Arbeitnehmer aufgrund der Vorlage eines negativen PCR-Tests keiner Quarantäne unterliegt.
Schlechtreden ehemaliger Mitarbeiter - erlaubt?
Autor: Jonas Anders
In seiner Entscheidung vom 5. Juli 2022 (Az. 6 Sa 54/22) hatte sich das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz („LAG“) mit der Frage zu beschäftigen, ob und in welchem Umfang ein ehemaliger Arbeitgeber berechtigt ist, den neuen Arbeitgeber seines ehemaligen Mitarbeiters unaufgefordert über dessen frühere Verhaltensweisen zu informieren
Beweislast beim Zugang einer E-Mail
Autor: Rafael Hertz
Das Landesarbeitsgericht Köln hat mit Urteil vom 11. Januar 2022 (Az. 4 Sa 315/21) ein interessantes Urteil zum Zugang von Willenserklärungen unter Abwesenden verkündet. Demnach trifft den Absender einer E-Mail die volle Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die E-Mail dem Empfänger zugegangen ist. Ihm kommt nicht dadurch die Beweiserleichterung des Anscheinsbeweises in Hinblick auf den Zugang der E-Mail zugute, dass er nach dem Versenden keine Meldung über deren Unzustellbarkeit erhält.
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September 2022
Arbeitsrecht in der betrieblichen Praxis – Neueste Entwicklungen
Weckruf aus Erfurt: Arbeitszeiterfassung verpflichtend!
Autor: Dr. Christian Bloth
In seinem viel beachteten Urteil hat das BAG (Urt. v. 13. September 2022, 1 ABR 22/21) daran erinnert, dass Regelungen zur Arbeitszeiterfassung „überfällig“ sind, indem es verlautbaren ließ, dass Arbeitgeber schon heute auf Grund der Bestimmungen zum Arbeitsschutzgesetz gehalten sind, ein System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen. Was folgt daraus für Arbeitgeber?
Höchstbetrag bei Sozialplanabfindung
Autor: Jonas Anders
In seiner Entscheidung vom 8. Februar 2022 (Az. 1 AZR 252/21) hatte sich das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit der Frage zu beschäftigten, ob die in einem Sozialplan enthaltene Regelung für Abfindungsobergrenzen einen Verstoß gegen den betriebsverfassungsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz darstellt.
BAG zum Betriebsrisiko bei Corona-bedingten Betriebsschließungen
Autor: Rafael Hertz
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit Urteil vom 4. Mai 2022 (Az. 5 AZR 366/21) entschieden, dass der Arbeitgeber nicht das Risiko eines Arbeitsausfalls trägt, wenn die Betriebsschließung im Rahmen allgemeiner und umfassender Maßnahmen staatlicher Stellen zur Pandemiebekämpfung erfolgt. Im Ergebnis musste der Arbeitgeber also nicht für den Lohnausfall infolge des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 aufkommen.
Kündigung wegen quantitativer Minderleistung
Autor: Dr. Christian Bloth
Können verhaltensbedingte ordentliche Kündigungen von Low Performern rechtswirksam sein? Das Landesarbeitsgericht Köln (LAG) hat kürzlich in seinem Urteil vom 3. Mai 2022 (Az. 4 Sa 762/21) bestätigt, dass Arbeitnehmer, die über einen längeren Zeitraum die Durchschnittsleistung um mehr als ein Drittel unterschreiten, im Einzelfall nach einschlägiger Abmahnung verhaltensbedingt ordentlich gekündigt werden können.
Unwirksame Befristung im Falle der Krankheitsvertretung
Autor: Rafael Hertz
Das Arbeitsgericht (ArbG) Erfurt hatte sich in seiner Entscheidung vom 17. Mai 2022 (Az. 6 Ca 1834/21) im Zusammenhang mit der Befristung eines Arbeitsverhältnisses zur Krankheitsvertretung mit der Frage zu beschäftigen, wann eine solche Befristung unwirksam sein kann.
Rückzahlung von Fortbildungskosten
Autor: Jonas Anders
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte sich in seiner Entscheidung vom 1. März 2022 (Az: 9 AZR 260/21) mit der Frage zu beschäftigen, ob ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber die von diesem getragenen Fortbildungskosten zurückzahlen muss, wenn das Arbeitsverhältnis nach der Fortbildung auf Veranlassung des Arbeitnehmers endet.
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